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Zeitgut: Unvergessene Weihnachten zum Nachlesen

Deutsche Weihnachtsbräuche aus den letzten 80 Jahren

Im Buch Unvergessene Weihnachten - Band 9 wird Geschichte in Geschichten lebendig. Die authentischen Zeitzeugen-Erinnerungen erzählen von heiteren und besinnlichen Weihnachtstagen aus mehr als 80 Jahren. Die Beiträge berichten von  Besonderheiten aus der jeweiligen Zeit und von unterschiedlichen deutschen Weihnachtsbräuchen. Schöne alte Fotos und Zeitdokumente runden das Bild ab, das dieser neue Weihnachtsband bietet.

Kein Wort ist hier erfunden und alle Geschichten sind fröhlich oder besinnlich, spannend, sehnsuchtsvoll und mitunter auch traurig. Aber fast immer gibt es ein gutes Ende, wie man es sich vom schönsten Fest des Jahres eben erhoffen kann.

Das Buch wird am 05. Dezember 2013 in unserem Adventskalender-Gewinnspiel verlost.

Eine Geschichte aus diesem Buch:

Ulla Punke -  Der Tannenzweig

Mittagspause im Hause Wherry. Ich sitze in meinem Zim­merchen, oben unterm Dach, und es geht mir schlecht. Ich friere erbärmlich, denn die Kammer für „mother’s help“ ist nicht heizbar. Zwar hat Mr. Wherry eine kleine wacklige Heiz­sonne hineingestellt, mit der Auflage, sie nur nachts zu be­nutzen und ansonsten weit unters Bett zu schieben. Mrs. Wherry braucht nichts davon zu wissen. Mußte ich denn unbedingt meinen Kopf durchsetzen, um nach England zu kommen?

„Ich gehe ins Ausland!“ – Wie toll das geklungen hatte! Für eine Neunzehnjährige wie mich war das ja wirklich ein verlockender Gedanke, etwas Besonderes, als Au-Pair-Mäd­chen weit weg von den Eltern für ein Jahr in einem anderen Land zu arbeiten. Mein Vater war strikt dagegen gewesen und ließ mich schließlich nur ziehen, weil er überzeugt war, daß ich nach sechs Wochen reumütig zurückkehren würde.

Jetzt habe ich jämmerliches Heimweh. Es ist Dezember, aber Weihnachten in England finde ich doof. Schon seit An­fang des Monats steht der Weihnachtsbaum im Wohnzim­mer, ein scheußliches Exemplar aus Plastik mit elektrischen Kerzen. Kein Tannenduft, kein Kerzenschimmer.  Wenn es nur wenigstens nicht obendrein so kalt wäre!

Das kleine südenglische Dorf, in das es mich verschlagen hat, liegt oben auf der Steilküste, und das Haus der Wher­ries steht ganz am Rand, schutzlos dem Wind von See her ausgeliefert. Die Gardine vor meinem Fensterchen schwebt waagerecht im Raum, so sehr zieht es durch den reparatur­bedürftigen Rahmen.

Lautes Klopfen reißt mich aus meinem Selbstmitleid. Alle drei Jungen stürzen gleichzeitig zur Haustür, obwohl sie eigentlich Mittagsruhe halten sollen. Sie sind vier, fünf und sechs Jahre alt. Ich erkenne die Stimme des Postboten, der fast täglich um diese Zeit bei uns vorbeikommt, dazwischen das aufgeregte Geplapper von Keith, Brian und Peter. Ge­trappel auf der Treppe. Die Tür fliegt auf, und da stehen meine drei Schutzbefohlenen mit roten Wangen und blit­zenden Augen:

„A parcel for you, Ursel, from Germany!“

Vorschau anzeigenMeine englische Gastfamilie in Sussex am 1. November 1956: Mr. Wherry und Brian, Mrs. Wherry mit Peter und ganz rechts Keith.

Sie sind genauso aufgeregt wie ich. Während ich die Schnü­re löse und das Paket öffne, umringen sie mich und würden am liebsten mithelfen. Unter dem Packpapier kommt schö­nes deutsches Weihnachtspapier zum Vorschein. Und als das vorsichtig abgelöst und der Deckel geöffnet ist, liegt da zu­oberst ein kleiner grüner Tannenzweig, mit Lametta und ei­ner roten Schleife geschmückt. Behutsam nehme ich ihn her­aus und rieche daran. Ja, das ist Weihnachtsduft, wie er schö­ner nicht sein kann!

Vorschau anzeigenDieses Foto von mir mit einem Bobby wurde bei einem Ausflug nach London aufgenommen.

Tränen steigen mir in die Augen, und ich schlucke schwer. Die Jungen sind eher an dem Inhalt des Pakets interessiert. Was kommt da nicht alles zum Vorschein: Schwarzbrot, das ich hier so vermißt habe, ein Glas mit eingewecktem Grün­kohl und, neben anderen Geschenken, natürlich Marzipan­kartoffeln, Nugat, Schokolade. Eben alles, wovon meine Mutter weiß, wie sehr ich es liebe. Gerne gebe ich davon ab. Für mich ist das schönste Weihnachtsgeschenk der kleine grüne Tannenzweig mit seinem einmaligen Duft.

Nachtrag In England gibt es keinen Heiligen Abend wie bei uns in Deutschland. Die Bescherung findet am ersten Weihnachts­tag statt. Den Kindern wird erzählt, daß „Father Christmas“ die Geschenke durch den Kamin wirft. Der zweite Weih­nachtstag ist der „Boxing Day“. Dann werden alle Kartons (boxes), Verpackungen usw. zusammengesammelt und ent­sorgt. Ich als „mother’s help“ war hauptsächlich damit be­schäftigt, das Weihnachtsessen, einen riesigen Puter, zuzu­bereiten. Aber ich habe von Mr. und Mrs. Wherry einige net­te Geschenke bekommen.

Als gebürtige Australier gingen die Wherries bereits im Frühjahr 1957 in ihre Heimat zurück und wollten mich zu meiner Freude für zwei bis drei Jahre mitnehmen. Aber das haben meine Eltern nicht erlaubt. Ich habe mir dann für die restliche Zeit eine neue Stelle als au-pair-Mädchen gesucht. Kontakt nach England halte ich heute noch. Eine Freundin hat dort ihren Mann kennengelernt und lebt seitdem in Eng­land. Ich besuche sie alle zwei Jahre.

Aus dem InhaltDas Buch - Unvergessenen Weihnachten Band 9 - bei AMAZON kaufen

Heiligabend mit Prinz - Ein Wintermärchen im Glatzer Bergland - Verlockungen am Heiligabend - Ein süßes Opfer - Der Ring - Weihnachten ohne Vater - Weihnachten hinter Stacheldraht - Das Weihnachtstrauma - Blauer Dunst im Weihnachtszimmer - Engelshaar - Weihnachtsfeier auf der Entbindungsstation - Das Weihnachtsmärchen - Unser frohes Geheimnis - Ich dachte, das Christkind hat mich vergessen - Eine Puppe auf Abzahlung - So viele Weihnachtsmänner - Der unbescheidene Hanno - Ehre sei Gott - Der Tannenzweig - Die verspäteten Schneeschuhe - Die Weihnachtsmesse - Die Sehnsucht nach Zuhause - Lohn vieler Strohsternstunden - Im Polizeiauto zur Kinderchristnacht - Mangel macht erfinderisch - Reiche Bescherung - Beginn einer Freundschaft am Heiligabend - Weihnachten unterwegs

Bereits erschienen der Doppelband IV - Band 7 und 8 von "Unvergessene Weihnachten" in einem Buch.

Unvergessene Weihnachten - Band 9Erinnerungen aus heiterten und aus schlechten Zeiten, 1924-2005.

36 Zeitzeugen-Erinnerungen, 192 Seiten mit vielen Abbildungen,
Ortsregister, Zeitgut Verlag, Berlin.
Gebundene Ausgabe mit Lesebändchen ISBN: 978-3-86614-218-3, Euro 7,90
Taschenbuch-Ausgabe ISBN: 978-3-86614-223-7, Euro 5,90 (D)

(Quelle Bild/Text: Zeitgut Verlag)

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Kommentare

Peter35
Peter35, 5. Dezember 2013 23:30 Uhr Sehr gerne gewinnen diese buch
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